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Intergeschlechtlichkeit
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Intergeschlechtlichkeit oder IntersexualitÀt, auch Zwischengeschlechtlichkeit, bezeichnet die biologische Besonderheit von Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig als weiblich oder mÀnnlich einzuordnen sind.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2]cite-ref-1-3-0[3]cite-ref-4[4] Intergeschlechtliche bzw. intersexuelle Menschen werden wegen dieser Abweichung hÀufig pathologisiert, obwohl sie meist gesund sind,cite-ref-2-5-0[5]cite-ref-6[6] und bereits Kinder werden genitalverÀndernden Operationen unterzogen, um sie der Norm anzupassen.cite-ref-7[7]cite-ref-8[8] Sie erleben hÀufig Diskriminierung, weshalb viele ihre Intergeschlechtlichkeit bzw. IntersexualitÀt verstecken.cite-ref-2-5-1[5]cite-ref-9[9]
Der Terminus IntersexualitĂ€t (nicht Intergeschlechtlichkeit) wird neben Menschen auch auf Tiere angewandt,cite-ref-10[10] er wurde von dem Genetiker Richard Goldschmidt 1915 sogar fĂŒr Tiere (Schmetterlinge) neu eingefĂŒhrt. Heute wird er meist anders als von Goldschmidt definiert verwendet und steht in Konkurrenz zum Begriff Gynandromorphismus, der beim Menschen nicht verwendet wird. Viele Forscher verwenden intersexuell eher fĂŒr Organe oder Merkmale, die intermediĂ€r ausgeprĂ€gt sind, und gynandromorph eher dann, wenn sie mosaikartig auftreten, etwa bezogen auf rechte und linke Körperseite oder andere Körperabschnitte, der Sprachgebrauch ist aber nicht einheitlich.cite-ref-11[11]
Geschlechtliche körperliche Besonderheiten können etwa auf der chromosomalen, gonadalen, hormonellen oder anatomischen Ebene auftreten. Medizinisch wird Intergeschlechtlichkeit den sogenannten Varianten der Geschlechtsentwicklung oder -Differenzierungcite-ref-12[12] (DSD von englisch disorders of sex development)cite-ref-7-13-0[13] zugerechnet. Die medizinische Klassifikation unterliegt VerÀnderungen.cite-ref-14[14]
SchĂ€tzungen der HĂ€ufigkeit sind schwierig und zwischen verschiedenen Forschern umstritten, weil die jeweils verwendeten Definitionen stark voneinander abweichen. Angegeben werden GröĂenordnungen zwischen einem Fall bei ca. 4500 bis 5500 Neugeborenen.cite-ref-15[15] FĂŒr manche gilt aber auch das PCO-Syndrom, das alleine etwa 4 % bis 12 % aller nach der Geburt als weiblich eingeordneten Menschen betrifft, als intergeschlechtlich.cite-ref-16[16] Dies zeigt, dass SchĂ€tzungen davon abhĂ€ngen, was genau als intergeschlechtlich definiert wird und was als ânormaleâ weibliche bzw. mĂ€nnliche Biologie gilt.cite-ref-17[17] FĂŒr die Definierung solcher Normen wird dem medizinischen Bereich viel Geltungshoheit eingerĂ€umt.cite-ref-18[18]
In Deutschland ist es seit 2018 möglich, âdiversâ als Geschlecht in das Personenstandsregister einzutragen. Zuvor war es seit 2013 bereits möglich, auf einen Geschlechts-Eintrag zu verzichten. âIntergeschlechtlichkeitâ ist keine GeschlechtsidentitĂ€t und je nach individuellem Geschlechtsempfinden nehmen sich intergeschlechtliche Menschen als weiblich, mĂ€nnlich oder nicht-binĂ€r wahr.cite-ref-19[19]
Im deutschen Sprachraum bevorzugen viele Personen den Begriff âIntergeschlechtlichkeitâ anstatt des veralteten medizinischen Fachbegriffs âIntersexualitĂ€tâ, da dieser das potentielle MissverstĂ€ndnis vermeide, es handele sich um eine sexuelle Orientierung, und den Bezug zum biologischen Geschlecht betone.cite-ref-8-20-0[20]cite-ref-9-21-0[21]cite-ref-22[22] Als Gegenbegriff zu âintergeschlechtlichâ bzw. âintersexuellâ wurde der Begriff âendogeschlechtlichâ bzw. âendosexuellâ geprĂ€gt.cite-ref-23[23]
Contents
âą Ursachen
âą HĂ€ufigkeit
âą Aktuelle Aspekte
âą Aktionstage
âą Romane
âą Spielfilme
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Dokumentationen
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Begriffsgeschichte
Wissenschaftliche Begriffsgeschichte
Die Bezeichnung IntersexualitĂ€t prĂ€gte 1915 der Genetiker Richard Goldschmidt.cite-ref-25[25]cite-ref-kl-ppel-2010-ii-3-4-26-0[26] Er setzt sich zusammen aus dem lateinischen PrĂ€fix inter- fĂŒr âzwischenâ und dem lateinischen sexus fĂŒr âGeschlechtâ und bedeutet (körperliche) âZwischengeschlechtlichkeitâ, ein spĂ€testens seit den 1920/1930er Jahren verwendeter Begriff. Goldschmidt verwies damit auf geschlechtliche Erscheinungsformen, die er als Mischungen zwischen idealtypischen mĂ€nnlichen und weiblichen PhĂ€notypen betrachtete. Diese erklĂ€rte er durch eine spezielle genetische Theorie, die von einer prekĂ€ren Balance zwischen MĂ€nnlichkeits- und Weiblichkeitsbestimmern ausgeht.cite-ref-27[27] Goldschmidts Theorie wurde bis in die 1950er Jahre hinein in der deutschen medizinischen Literatur zitiert, wenn auch der Terminus IntersexualitĂ€t in unterschiedlicher Bedeutung Verwendung fand.cite-ref-28[28]cite-ref-kl-ppel-2010-ii-3-4-26-1[26] SpĂ€tere medizinische Nomenklaturen vermischten eine Einteilung anhand der Chromosomen mit der Ă€lteren Klassifikation anhand der KeimdrĂŒsen, die auf drei Kategorien beruhte: Hermaphroditismus, weiblicher und mĂ€nnlicher Pseudohermaphroditismus. Im Oktober 2005 fand in Chicago, USA, eine Konsensuskonferenz der Lawson Wilkins Pediatric Endocrine Society (LWPES) und der European Society for Paediatric Endocrinology (ESPE) statt, auf der ein Consensus Statement on management of intersex disorders verabschiedet wurde. Dieses empfahl, anstelle der bisherigen Begriffe IntersexualitĂ€t oder Hermaphroditismus die Bezeichnung âDisorders of sex developmentâ (DSD) zu verwenden.cite-ref-29[29] In frĂŒheren Leitlinien wurde dies zunĂ€chst wörtlich ĂŒbersetzt als âStörungen der Geschlechtsentwicklungâ ins Deutsche ĂŒbernommen.cite-ref-6-30-0[30] Jedoch kritisierten intergeschlechtliche Menschen, dass Intergeschlechtlichkeit damit als Störung oder Krankheit bezeichnet wurde. Die BundesĂ€rztekammer fĂŒhrte daraufhin begleitend den Begriff âVariantenâ ein.cite-ref-31[31]cite-ref-6-30-1[30] In der aktuellen medizinischen Leitlinie der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) wird nur noch der Begriff âVarianten der Geschlechtsentwicklungâ verwendet, âda der Begriff âdisordersâ (Störung) eine Pathologie impliziertâ, wie auch in der Leitlinie festgestellt wird.cite-ref-7-13-1[13] Im bundesdeutschen Gesetz zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung von 2021 wird ebenfalls nur noch der Begriff âVariantenâ verwendet.cite-ref-32[32]
Aktuelle Forschungsprojekte zu Intergeschlechtlichkeit in Deutschland (Stand 2023) wurden von der UniversitĂ€t Hamburg, der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum sowie vom Studienzentrum der EKD fĂŒr Genderfragen in Kirche und Theologie durchgefĂŒhrt.cite-ref-33[33] Aus dem Projekt der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum ist das Online-Portal Inter-NRW hervorgegangen, welches ein umfangreiches Glossar zum Thema veröffentlicht hat.cite-ref-34[34] Auf der Webseite zum Forschungsprojekt der UniversitĂ€t Hamburg heiĂt es: âInzwischen wird IntersexualtitĂ€t vom Begriff Intergeschlechtlichkeit abgelöst. Im Englischen findet der Begriff Intersex Verwendungâ.cite-ref-35[35] In aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten wie dem Abschlussbericht âIntersexualitĂ€t In NRWâ oder dem âHandbuch InterdisziplinĂ€re Geschlechterforschungâ wird in der BegrĂŒndung der verwendeten Terminologie auf Veröffentlichungen von Selbstvertretungs-VerbĂ€nden wie die BroschĂŒre âInter* und Spracheâ des TransInterQueer-Projekts âAntidiskriminierungsarbeit & Empowerment fĂŒr Inter*â verwiesen.cite-ref-36[36]cite-ref-37[37]
Eigenbezeichnungen
Organisationen wie die Internationale Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen (IVIM) (deutsche Sektion des weltweiten Netzwerks Organization Intersex International OII) und der Verein Intergeschlechtliche Menschen kritisieren die Bezeichnung âDSDâ (disorders of sex development) als pathologisierend und sexistisch.cite-ref-ivim-basisprinzipien-2011-38-0[38] Auch die BundesĂ€rztekammer spricht seit 2015 von âVarianten/Störungen der Geschlechtsentwicklungâ, um eine aus Sicht der Betroffenen diskriminierende Pathologisierung zu vermeiden.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]
Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale nicht der weiblichen oder mĂ€nnlichen Norm entsprechen, bezeichnen sich selbst zum Beispiel als intergeschlechtliche Menschen, als intergeschlechtliche Frau oder intergeschlechtlicher Mann, als diverse Person oder auch als intergeschlechtlich geborene Person.cite-ref-0-41-0[41] Verwendet wird auch die Schreibweise inter*, wobei das Sternchen * fĂŒr die genannten und weitere mögliche Selbstbezeichnungen steht.cite-ref-42[42] Das Sternchen soll auch Raum fĂŒr weitere Selbstbezeichnungen bieten sowie eine Alternative zu pathologisierender Sprache darstellen.cite-ref-43[43] Manchmal findet sich auch die Bezeichnung drittes Geschlecht, die jedoch nicht von allen akzeptiert wird. Es lĂ€sst sich beobachten, dass intergeschlechtliche Menschen als Eigenbezeichnung verstĂ€rkt â gerade auch als Antwort auf die aufgezwungene âStörungâ â wieder den historischen Begriff âhermaphroditeâ benutzen.cite-ref-44[44] Als politische Selbstbezeichnung (Geusenwort) ist teilweise auch Herm und Zwitter gebrĂ€uchlich.cite-ref-0-41-1[41] Manche intergeschlechtlichen Menschen bezeichnen sich ebenso wie manche trans Menschen als zwischengeschlechtlich.cite-ref-45[45]
Abgrenzung zum Begriff der SexualitÀt
Der Begriff sex in Intersex leitet sich wie auch SexualitĂ€t vom lateinischen Geschlechtsbegriff sexus ab (siehe oben). SexualitĂ€t bedeutet hingegen nicht nur das biologische Erscheinungsbild (Geschlechtlichkeit), sondern kann unter anderem auch fĂŒr körperliche Aktionen, Handlungen oder Praktiken (Sex) stehen (SexualitĂ€t des Menschen).cite-ref-46[46] Die Ăhnlichkeit der Begriffe ist also rein sprachlich bedingt, da sich IntersexualitĂ€t nur auf Aspekte des biologischen Geschlechts bezieht.
Durch den eventuell irrefĂŒhrenden Bezug auf die SexualitĂ€t, aber auch weil IntersexualitĂ€t (und sein englisches Pendant intersex) als Begriff medizinisch konnotiert sind, wird der Begriff von einigen als problematisch gesehen. Gruppierungen wie der Verein Intergeschlechtliche Menschen Landesverband Niedersachsen e. V. und der Intergeschlechtliche Menschen e. V. haben sich daher in den letzten Jahren umbenannt und die Endung -sexuell durch -geschlechtlich ersetzt.cite-ref-8-20-1[20]cite-ref-9-21-1[21]cite-ref-47[47] Auch in vom Bund herausgegebenen Materialien wird mittlerweile zunehmend als deutsche Bezeichnung nur noch intergeschlechtlich und inter* genutzt.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49]cite-ref-50[50]cite-ref-51[51] Laut Dan Christian Ghattas werde â[i]nnerhalb des menschenrechtskonformen, entpathologisierenden Diskurses [âŠ] Intergeschlechtlichkeit mittlerweile ĂŒbergreifend verwendetâ.cite-ref-2-5-2[5]
Biologische und medizinische Aspekte
VerhÀltnis zwischen Intergeschlechtlichkeit und Transgeschlechtlichkeit
Abzugrenzen ist die Intergeschlechtlichkeit von der Transgeschlechtlichkeit:
Bis vor Kurzem schlossen sich im medizinischen Bereich die Diagnose fĂŒr Intergeschlechtlichkeit bzw. âVarianten der Geschlechtsentwicklungâ und âTranssexualitĂ€tâ aus. Der Begriff TranssexualitĂ€t stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und entstammt insbesondere der medizinischen Debatte. Er wurde in den 1970er Jahren als Abgrenzung zu Transvestismus genutzt und definierte den Drang, das körperliche Geschlecht zu verĂ€ndern.cite-ref-3-52-0[52] Transsexuelle Menschen fĂŒhlen sich einem anderen Geschlecht als dem bei der Geburt zugewiesenen zugehörig. FĂŒr die medizinische Diagnose âTranssexualitĂ€tâ war Intergeschlechtlichkeit im inzwischen ĂŒberholten Diagnosehandbuch ICD-10 daher formal ein Ausschlusskriterium.
Auch in der inzwischen abgelösten vierten Auflage des Diagnosehandbuchs Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) der American Psychiatric Association (DSM-IV), das in den USA, aber auch in weiteren LĂ€ndern sowie international in der Forschung eingesetzt wird, schlossen sich Intergeschlechtlichkeit und âGeschlechtsidentitĂ€tsstörungâ, welche hier bereits 1994 die Diagnose âTranssexualitĂ€tâ abgelöst hatte, gegenseitig aus. Dies wurde damit begrĂŒndet, dass die Stigmatisierung intergeschlechtlicher Menschen durch die Zuschreibung einer psychischen Störung zu vermeiden sei.cite-ref-pychatric-news-mai-2013-53-0[53]
In der ICD-11 ist stattdessen nun die Diagnose âGeschlechtsinkongruenzâ in Gebrauch, welche statt zuvor als Verhaltensstörung nun als eine Condition related to Sexual Health (dt. Zustand mit Bezug zur sexuellen Gesundheit) eingeordnet wird.cite-ref-54[54] Das bereits 2013 veröffentlichte DSM-5 hatte mit âGenderdysphorieâ ebenfalls eine Diagnose eingefĂŒhrt, welche die bisherige Pathologisierung von trans Menschen verringern solltecite-ref-55[55]cite-ref-56[56] und neben binĂ€ren auch weitere GeschlechtsidentitĂ€ten einschlieĂt.cite-ref-22-57-0[57] Im DSM-5 schlieĂen sich die Diagnosen âStörung der Geschlechtsentwicklungâ (fĂŒr intergeschlechtliche Menschen) und âGenderdysphorieâ erstmals nicht mehr aus.cite-ref-pychatric-news-mai-2013-53-1[53] Die Diagnose Genderdysphorie bezeichnet nun eine mit Leiden oder BeeintrĂ€chtigung einhergehende Unstimmigkeit zwischen dem nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht und dem von einem transgeschlechtlichen oder intergeschlechtlichen Menschen als richtig empfundenen Geschlecht. Kritisiert wird aber weiterhin, dass intergeschlechtlichen Menschen mit âStörung der Geschlechtsentwicklungâ ĂŒberhaupt eine Störung diagnostiziert wird, was als medizinisch nicht notwendige Pathologisierung gesehen wird.cite-ref-58[58]cite-ref-pychatric-news-mai-2013-53-2[53]cite-ref-59[59]
ZunĂ€chst auĂerhalb des medizinischen Bereichs wurde der Begriff TranssexualitĂ€t zunĂ€chst vom Begriff Transgender bzw. Transgeschlechtlichkeit abgelöst, der seit den 1990er Jahren gebrĂ€uchlich ist und auch Einzug in die klinische Praxis gefunden hat.cite-ref-22-57-1[57]cite-ref-60[60] Er wurde unter anderem deshalb stark gemacht, um die Definitionsmacht von Staat und Medizin ĂŒber queere Menschen zu schwĂ€chen. Mit dem medizinischen Modell wurde auch der Anspruch, sich an ânormaleâ MĂ€nner und Frauen angleichen zu mĂŒssen, kritisiert.cite-ref-3-52-1[52] Seit 2010 wird zunehmend der Begriff Trans* verwendet. Das Spektrum von transgender sollte hiermit erweitert werden, etwa um Menschen einzuschlieĂen, die eine streng binĂ€re Geschlechtszuweisung oder -kategorisierung bei sich ablehnen (vergleiche NichtbinĂ€re GeschlechtsidentitĂ€ten).cite-ref-3-52-2[52]
Intergeschlechtliche Menschen können grundsĂ€tzlich auch trans sein. Laut einem Text des Vereins InterAction for Health and Human Rights (Australien) bestehe aber kein ursĂ€chlicher Zusammenhang, da sich alle LGBT- und I-Bevölkerungsgruppen ĂŒberschneiden. Die meisten intersexuellen Menschen identifizierten sich mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht.cite-ref-61[61] Die Existenz intergeschlechtlicher Menschen mit trans Empfindungen stellt allerdings die medizinische Diagnose âGeschlechtsinkongruenzâ eventuell in Frage: Zum einen ist es schwierig, im VerhĂ€ltnis zum biologischen Geschlecht eine Inkongruenz festzustellen, wenn sich dieses biologische Geschlecht selbst nicht einfach in weiblich oder mĂ€nnlich einordnen lĂ€sst. Geschlechtsinkongruenz könnte alternativ allerdings auch im VerhĂ€ltnis zum bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht bestimmt werden. In dem Fall stellt sich die Frage, ob man nicht die Geburtszuweisung hinterfragen möchte und somit statt von einer Inkongruenz eher von der Korrektur einer fĂ€lschlichen Geburtszuweisung ausgehen sollte.cite-ref-pychatric-news-mai-2013-53-3[53] Die Diagnose kann Aspekte vernachlĂ€ssigen, wie etwa die Tatsache, dass bei einer im Kindesalter durchgefĂŒhrten medizinischen Geschlechtsangleichung die Inkongruenz iatrogen sein kann. Zudem könne Geschlechtsdysphorie auch als Ergebnis der starken Ablehnung, die intergeschlechtliche Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren können, auftreten. Insofern sei es wichtig, Diagnosen wie Gender-Dysphorie nicht als psychische Erkrankung einzuordnen, sondern etwa als Minority Stress.cite-ref-62[62]
WĂ€hrend in einigen Organisationen und BĂŒndnissen trans- und intergeschlechtliche Menschen zusammenarbeiten, weil viele Gemeinsamkeiten gesehen werden, betonen andere intergeschlechtliche Menschen die Unterschiede fĂŒr ihre effektive Interessenvertretung. Gemein haben intergeschlechtliche und trans Interessengruppen die Forderung nach Selbstbestimmung:cite-ref-4-63-0[63] Transmenschen und Gutachter betonten, dass die GeschlechtsidentitĂ€t eines Menschen nicht âobjektivâ von auĂen, sondern nur durch die Person selbst bestimmt werden kann und dass daher Gatekeeping-Verfahren wie das deutsche Transsexuellengesetz ĂŒberflĂŒssig seien (es wurde zum 1. November 2024 durch das Selbstbestimmungsgesetz abgelöst).cite-ref-64[64] Intergeschlechtlichen Menschen ist wichtig, nicht-konsensuelle medizinische Eingriffe, insbesondere genitalverĂ€ndernde Operationen im Kindesalter, zu beenden (in Deutschland seit 2021 verboten, siehe unten).cite-ref-pychatric-news-mai-2013-53-4[53] Sowohl inter* als auch trans* Menschen erleben zudem aufgrund ihrer Abweichung von ĂŒblichen NormalitĂ€tsvorstellungen Diskriminierung, Anpassungsdruck an heterosexuelle Normen, und eine UnterdrĂŒckung ihrer Trans- oder Intergeschlechtlichkeit.cite-ref-4-63-1[63]
Ursachen
Uneindeutigkeiten des Körpergeschlechts sind biologisch möglich, weil die Geschlechtsorgane beim weiblichen und mÀnnlichen Embryo aus denselben Anlagen (Geschlechtsorgan) entstehen.cite-ref-65[65] Bei der körperlichen Entwicklung kann es zu folgenden Variationen kommen:
⹠Chromosomale Variationen: Statt der durchschnittlich am hÀufigsten vorzufindenden Karyotypen:
âą 46,XX (âweiblichâ) und
âą 46,XY (âmĂ€nnlichâ)
gibt es unter anderem auch die Varianten:
⹠45,X (oder 45,X0), bekannt als Turner-Syndrom mit einem weiblichen PhÀnotyp,
âą 47,XXX, das Triple-X-Syndrom,
⹠47,XXY, das Klinefelter-Syndrom mit mÀnnlichem PhÀnotyp,
⹠47,XYY, das XYY- oder Jacobs-Syndrom mit mÀnnlichem PhÀnotyp,
⹠höhergradigere X-Chromosomenaneuploidien (beispielsweise 48,XXXY, 48,XXYY oder 49,XXYYY-Polysomien),
sowie Mosaike:
âą mos45,X / 46,XX,
⹠mos45,X / 46,XY und den ChimÀrismus
âą chi46,XX / 46,XY.
Das chromosomale Geschlecht ist die Basis aller weiteren GeschlechtsausprÀgungen.
âą Gonadale Variationen:
âą ausbleibende Entwicklung (Agonadismus);
âą Ausbildung ganz oder partiell zu sog. Streifengonaden (nicht oder nur teilweise ausgebildete Gonadendysgenesien);
⹠ovarielle und testikulÀre Gewebeanteile in:
âą entweder denselben (Ovotestes) oder
âą getrennten KeimdrĂŒsen (echter Hermaphroditismus/Hermaphroditismus verus).
⹠Hormonelle Variationen: AuffÀllige Serumspiegel bei Geschlechtshormonen und deren VorlÀufern, teils mit Folgen wie:
⹠GynÀkomastie (Brustentwicklung bei nach der Geburt als mÀnnlich eingeordneten Menschen) oder
⹠Hirsutismus (sehr starke Körperbehaarung bei nach der Geburt als weiblich eingeordneten Menschen), teils aber auch die sexuelle Differenzierung insgesamt betreffend. Diese kann unterschiedliche Ursachen (chromosomale, gonadale und nephrologisch bedingte Varianten, Enzymdefekte) haben.
âą Anatomische Variationen: Von geschlechtlichen Besonderheiten mit unspezifischen Ursachen bis zu eher kulturell bedingten EinschĂ€tzungen (Grundlage des sozialen Geschlechts) wie âzuâ kleiner Penis oder âzuâ groĂe Klitoris sind sehr viele Variationen bekannt.
Viele intergeschlechtliche Syndrome bestehen nicht nur aus einer einzigen nachweisbaren Variation, sondern entstehen im Zusammenspiel mehrerer Faktoren, so zum Beispiel beim Androgenrezeptor-Defekt (AIS, Androgenresistenz). Hier sind komplette Androgenresistenz bzw. vollstĂ€ndiger AIS (CAIS, von complete AIS), partielle Androgenresistenz bzw. partieller AIS (PAIS) und minimale Androgenresistenz bzw. minimaler AIS (MAIS) zu unterscheiden. Bei kompletter Androgenresistenz (CAIS) entwickeln sich zum Beispiel bei einem Fötus mit XY-Chromosomen Hoden, die im Körper verbleiben können. Die Rezeptoren fĂŒr Testosteron fehlen jedoch, so dass sich ein âweiblich aussehendesâ Ă€uĂeres Genital (allerdings ohne weibliche innere Organe) entwickelt; das Erziehungsgeschlecht ist dann meist weiblich. Intergeschlechtliche Menschen mit CAIS werden â anders als bei PAIS â oft erst in der PubertĂ€t erkannt. Bei weniger ausgeprĂ€gter Resistenz kommt es laut dem medizinischen Wörterbuch Pschyrembel Wörterbuch SexualitĂ€t zu unterschiedlichen Ausbildungen der mĂ€nnlichen Sexualorgane (Hypospadie, Kryptorchismus, Azoospermie) und körperlicher Feminisierung (beispielsweise GynĂ€komastie, siehe Reifenstein-Syndrom).
Bei einem XY-chromosomalen Menschen mit Swyer-Syndrom aufgrund der Deletion des SRY-Gens sind auch Vagina und Uterus ausgebildet, in Gewebeproben findet sich allerdings kein Barrkörperchen (Geschlechts-Chromatin), das bei jedem XX-chromosomalen Menschen zu finden ist. Auch das Swyer-Syndrom fÀllt oft erst mit (ausbleibendem) PubertÀtsbeginn auf.
Bei einem XY-chromosomalen Kind mit genetisch bedingtem 5α-Reduktase-Mangel ist eine Umformung von Testosteron in die biologisch wesentlich aktivere Form des Dihydrotestosterons in den Zeilzellen des urogenital sinus und genital tubercle nicht in ausreichendem MaĂe möglich. Deshalb findet in diesem Falle die vollstĂ€ndige Geschlechtsdifferenzierung des mĂ€nnlichen Embryos nicht statt. Dieses Kind sieht bei seiner Geburt wie ein MĂ€dchen aus, da die primĂ€ren Geschlechtsmerkmale eher wie eine Vulva wirken. Mit Beginn der PubertĂ€t produziert der Körper eine deutlich gesteigerte Menge an Testosteron und manchmal auch etwas Dihydrotestosteron. Dadurch bildet sich aus der bislang uneindeutigen bis leicht vergröĂerten Klitoris ein eher kleiner mĂ€nnlicher Penis, wobei eine Fehlbildung der Harnröhre, die sogenannte Hypospadie, hĂ€ufiger auftritt. Die schwach ausgebildete Prostata vergröĂert nunmehr in der Regel ihr Volumen, bleibt jedoch unterentwickelt. Die bisher im Bauchraum befindlichen Hoden steigen oft in den sich bildenden Hodensack herab. Diese Entwicklung kann manchmal auch ohne medizinische Hilfe bis zur vollstĂ€ndigen FortpflanzungsfĂ€higkeit fĂŒhren.cite-ref-66[66]cite-ref-67[67]
Zu berĂŒcksichtigen ist auch das Vorhandensein einer Prostata bei fast allen XY-chromosomalen Menschen mit intergeschlechtlichen Syndromen.
HĂ€ufigkeit
Intergeschlechtlichkeit ist keine medizinische Diagnose, sondern eine zusammenfassende Bezeichnung fĂŒr sehr unterschiedliche körperliche PhĂ€nomene mit unterschiedlichen Ursachen, so beispielsweise Abweichungen der Geschlechtschromosomen, genetisch oder medikamentös bedingte hormonelle Varianten der Entwicklung, die nicht geschlechtschromosomal bedingt sind, und UnfĂ€lle. Genaue epidemiologische Daten ĂŒber intergeschlechtliche Kinder und Erwachsene in Deutschland existieren zurzeit nicht, es gibt lediglich SchĂ€tzungen. Das Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt gibt eine GröĂenordnung von 0,5 bis 1 je 1000 Kinder an. Das Bundesverfassungsgericht fĂŒhrt in einem Beschluss aus dem Jahr 2017 als Beispiel die SchĂ€tzung 1:500 aus dem Klinischen Wörterbuch von Pschyrembel (Auflage von 2014) an.cite-ref-bverfg-68-0[68] Eine groĂe Gruppe umfasst die Menschen mit einem Adrenogenitalen Syndrom (AGS, im englischen Sprachgebrauch CAH fĂŒr Congenital Adrenal Hyperplasia) mit einer Inzidenz von etwa 1:4000 bis 1:9000 Geburten. Die hormonelle geschlechtliche Variante PCO-Syndrom betrifft etwa 5â10 % aller bei der Geburt als weiblich eingeordneten Menschen.cite-ref-69[69]
Um Intergeschlechtlichkeit auszuschlieĂen, ist eine ausfĂŒhrliche körperliche Untersuchung einschlieĂlich Chromosomenanalyse notwendig (Karyogramm).cite-ref-70[70]cite-ref-71[71]
Medizinische Geschlechtsangleichung bzw. -festlegung
Seit den 1960er Jahren werden bei Kindern mit nicht eindeutig bestimmbarem Geschlecht hĂ€ufig bereits im Neugeborenenalter geschlechtsangleichende Operationen durchgefĂŒhrt. Dazu gehörten zum Beispiel die Anlage einer Neovagina, die Verkleinerung des Genitals auf eine eindeutige, meist weibliche GröĂe (insbesondere Klitorisverkleinerung) und die Entfernung eventuell vorhandener Hoden, letztere in der Regel mit anschlieĂender contra-chromosomaler Hormonersatztherapie.
Diese Eingriffe wurden zumeist ohne wirksame Einwilligung der Eltern, insbesondere ohne hinreichende AufklĂ€rung ĂŒber die mit diesen Eingriffen einhergehenden Risiken und medizinisch notwendigen Folgebehandlungen durchgefĂŒhrt sowie oftmals auch ohne zwingende medizinische Indikation. Dies stand im Widerspruch zu der Bedeutung dieser MaĂnahmen als irreversible Eingriffe in den Kernbereich der persönlichen IdentitĂ€t und der körperlichen Unversehrtheit. Anderen, deren Intergeschlechtlichkeit erst im Erwachsenenalter erkannt wurde â so etwa bei Lucie Veith â, wurde die neu entdeckte Vielfalt durch eine Operation genommen. Sie prangern spĂ€ter die Verletzungen an, die ihnen zugefĂŒgt wurden, nur um die eindeutige Einordnung in eines von zwei Geschlechtern (Dichotomie) (weiblich oder mĂ€nnlich) aufrechtzuerhalten, und sehen sich als zwangsweise transsexualisiert oder kastriert.cite-ref-73[73]
In einer Stellungnahme fĂŒhrte der Deutsche Ethikrat 2012 aus,cite-ref-74[74] dass die Situation von intergeschlechtlichen Menschen in starkem MaĂe durch Leidenserfahrungen, Missachtung seitens der Medizin, mangelnder SensibilitĂ€t des gesellschaftlichen Umfelds, administrativen und bĂŒrokratischen Hemmnissen und verbreiteter gesellschaftlicher Unkenntnis der Lebenswirklichkeit gekennzeichnet ist. Zur rechtlichen Bewertung stellt er dar, dass Eltern nach dem PreuĂischen Allgemeinen Landrecht von 1794 bei Nichteindeutigkeit zunĂ€chst das Geschlecht des Kindes festlegten. Im Alter von 18 Jahren hatte jedoch ein Zwitter das Recht, sein Geschlecht selbst frei zu wĂ€hlen (sogenannter Zwitterparagraf). Mit der EinfĂŒhrung des Personenstandsrechts Ende des 19. Jahrhunderts wurde aus dem Wahlrecht eine Zuweisung von Amts wegen in die Kategorien âmĂ€nnlichâ und âweiblichâ. Der Grund: Weil bewiesen war, dass âSelbstbefruchtung ausgeschlossen ist [âŠ] wurde von den meisten Forschern bis jetzt das Vorkommen wahrer Zwitter beim Menschen direkt geleugnet, und demgemĂ€ss wurden in der deutschen Gesetzgebung vom Jahre 1900 an die frĂŒher fĂŒr Fragen betreffend Zwitter eingesetzten Gesetzesparagraphen ganz gestrichen.âcite-ref-75[75]cite-ref-76[76]
Im Ausland lassen mehrere Staaten eine weitere Geschlechtskategorie zu (zum Beispiel in Indien, Brasilien, Kosovo, Nordamerika und Indonesien). In Australien wurde 2011 eine dritte Kategorie fĂŒr Geschlecht (X fĂŒr âunbestimmtâ) im Pass eingefĂŒhrt. In Belgien kann das Geschlecht nach der Geburt eines Kindes als unbestimmbar eingetragen werden. In Deutschland kann seit der Neuregelung des Personenstandsgesetzes 2009 auf Verlangen darauf verzichtet werden, in die Geburtsurkunde das Geschlecht aufzunehmen (§ 59 Absatz 2 PStG).cite-ref-77[77]
In der Folge sah eine Beschlussempfehlung des Innenausschusses des Deutschen Bundestages eine weitere Ănderung des Personenstandsrechts vor, die sich der Problemstellungen zum Thema Intergeschlechtlichkeit annahm und klarstellte, dass die Geschlechtsangabe im Geburtseintrag offenbleiben kann, wenn diese nicht zweifelsfrei feststeht.cite-ref-78[78] Eine entsprechende Neuregelung in § 22 Abs. 3 PStG ist seit dem 1. November 2013 in Kraft.cite-ref-79[79] Seit dem 22. Dezember 2018 kann neben dem Offenlassen des Geschlechtseintrags auch die Angabe âdiversâ gewĂ€hlt werden.
AbhĂ€ngig von der konkreten BehandlungsbedĂŒrftigkeit im Einzelfall soll eine Therapie erfolgen, die nicht nur anatomische und physiologische, sondern auch psychische, psychosoziale und rechtliche Gesichtspunkte integriert. Indikationsstellung und Therapie bedĂŒrfen eines interdisziplinĂ€ren Teams. Eine Leitlinie der Gesellschaft fĂŒr Kinderheilkunde und Jugendmedizin aus dem Jahr 2011 trĂ€gt dem Rechnung, indem sie operative Eingriffe bei SĂ€uglingen mit mehr ZurĂŒckhaltung beurteilt.cite-ref-80[80] Trotzdem gab es in den darauffolgenden Jahren keinen signifikanten RĂŒckgang von geschlechtsnormierenden Operationen an Neugeborenen.cite-ref-81[81]
Am 22. Mai 2021 trat in Deutschland ein grundsÀtzliches Verbot von geschlechtsangleichenden Eingriffen bei nicht einwilligungsfÀhigen intergeschlechtlichen Kindern in Kraft, das allerdings viele Ausnahmen zulÀsst (siehe unten).
Soziale Aspekte in westlichen Kulturen
Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist bekannt, dass Menschen praktisch niemals Zwitter sind.cite-ref-82[82] Laut medizinischer Definition von Hugh H. Young ist fĂŒr Zwitter der mikroskopische Nachweis von sowohl Eierstockgewebe als auch Hodengewebe im selben Körper erforderlich.cite-ref-83[83] Bis 1959 wurden aber nur 90 solcher FĂ€lle in der wissenschaftlichen Literatur gezĂ€hlt.cite-ref-84[84] GĂ€ngig war damals die Bezeichnung Pseudohermaphrodit (âScheinzwitterâ). Goldschmidt sah 1916 in der Vorsilbe Schein- ein Vorurteil, weshalb er den neutraleren Begriff âIntersexualitĂ€tâ schuf.cite-ref-85[85] Goldschmidt teilte die Auffassung von Magnus Hirschfeld, dass âatypische SexualitĂ€tâ biologisch begrĂŒndet sei.cite-ref-86[86]
Daneben bestand und besteht die Annahme, dass es im Interesse des intergeschlechtlichen Menschen liege, seinen Körper einem âwirklichenâ Geschlecht anzupassen; begrĂŒndet wird das meist mit der geschlechtlichen Zuordnung sowie sonst fehlender sozialer Akzeptanz. In der Praxis wird eine Geschlechtsfestlegung auch in vielen Alltagssituationen (Formulare fĂŒr GeschĂ€ftsabschlĂŒsse, Mitgliedschaften usw.) oder aus bĂŒrokratischen GrĂŒnden gefordert (Personenstand, manifestiert etwa in Ausweisen). Aufgrund der von ihnen befĂŒrworteten Geschlechtsfestlegung ĂŒben auch Eltern auf ihre intergeschlechtlichen Kinder in der Regel bewusst besonders starken Druck aus, sich dem zugewiesenen Geschlecht entsprechend zu verhalten. Die Diagnosen der hĂ€ufigen medizinischen Untersuchungen werden den Kindern oft routinemĂ€Ăig verschwiegen, aus SchamgrĂŒnden zum Teil bis ins Erwachsenenalter hinein.
Manche intergeschlechtliche Menschen und einzelne Wissenschaftler argumentieren hingegen, dass die Vorstellung von genau zwei sauber unterscheidbaren Geschlechtern (siehe HeteronormativitĂ€t) falsch sei. Sie sind der Ansicht, dass die Festlegung auf eines der beiden gegenpoligen Geschlechter oft zweifelhaft sei und zu starken physischen und psychischen BeeintrĂ€chtigungen fĂŒhren könne. In der Regel handele es sich bei einer Festlegung um einen durch sozialen Druck entstandenen Wunsch des Umfeldes und nicht um ein BedĂŒrfnis der Betroffenen selbst. Die entsprechenden pĂ€dagogischen MaĂnahmen werden abgelehnt, da sie bei den Kindern zu unmĂ€Ăigem Druck fĂŒhrten und durch das Verschweigen der HintergrĂŒnde die psychische Verwirrung noch verstĂ€rkten.
Kritisiert wird vom intergeschlechtlichen Standpunkt aus auch die Theorie des Sexualwissenschaftlers John Money von 1955, dass Menschen mit einem âangeborenen Defekt der Genitalienâ (birth-defective genitals) die soziale Rolle annehmen wĂŒrden, die ihnen zugewiesen wird. Zur Differenzierung gegenĂŒber Sex fĂŒr die Einstufung anhand der körperlichen Ausbildung der Genitale prĂ€gte Money den Begriff Gender.cite-ref-87[87] Die Geschlechtsfeststellung, eigentlich eine willkĂŒrliche Genderfestlegung, wurde sogar in Fachliteratur zum medizinischen Notfall (clinical emergency) erklĂ€rt.cite-ref-88[88] Da die entsprechenden medizinischen Eingriffe oft im SĂ€uglings- und Kleinkindalter vorgenommen wurden, werde der fĂŒr die Betreffenden wichtigste Faktor, nĂ€mlich ihr psychosoziales âIdentitĂ€tsgeschlechtâ, nicht berĂŒcksichtigt. Stattdessen reiche die Entscheidungsfindung, so die Kritiker, oft von subjektiver WillkĂŒr (Eltern wĂŒnschten oft in selbst unplausibelsten FĂ€llen eine mĂ€nnliche Zuweisung, nur wegen des uneindeutigen Genitals wird allerdings seit fĂŒnfzig Jahren meist weiblich zugewiesen) ĂŒber medizinische Machbarkeit (John P. Gearharts zynisches: âEs ist einfacher, ein Loch zu machen als einen Pfahl zu bauenâcite-ref-89[89]) bis zu Ehrgeiz der Mediziner (âUrologen basteln gerne Jungenâ). Beleg fĂŒr den kulturhistorisch bedingten Einfluss bei der Geschlechtsfestlegung sei, dass mĂ€nnliche Zuweisungen in drei Viertel aller FĂ€lle in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts festgestellt wurden.
schweizer-entwicklung Schweizer Entwicklung
Die Schweizer Nationale Ethikkommission im Bereich Humanmedizin (NEK-CNE) hatte sich bereits 2012 dafĂŒr ausgesprochen, die Bezeichnungen Zwitter, Intersexuelle oder Ă€hnliches durch âVarianten der Geschlechtsentwicklungâ oder âGeschlechtsvariantenâ zu ersetzen. Dieser Vorschlag erfolgte mit der BegrĂŒndung der Entsexualisierung des Themas im Interesse eines ungezwungenen und normalisierten Umgangs mit Menschen, die mit Geschlechtsvarianten geboren werden.cite-ref-90[90]
Im Jahr 2020 gab die NEK-CNE eine Stellungnahme ab zur Ethischen ErwÀgung zum Umgang mit dem Geschlechtseintrag im Personenstandsregister, die zusammenfasst:cite-ref-srf-2021-01-07-91-0[91]
âDie NEK-CNE vertritt die Auffassung, dass die heutige Regelung und Praxis der amtlichen Registrierung des Geschlechts unbefriedigend ist. Sie trĂ€gt der Vielfalt von GeschlechtsidentitĂ€ten ungenĂŒgend Rechnung und lĂ€sst fundamentale Interessen von Menschen mit nichtbinĂ€rer GeschlechtsidentitĂ€t sowie von transidenten und intergeschlechtlichen Menschen ausser Acht. Daraus resultieren fĂŒr die Betroffenen schwerwiegende EinschrĂ€nkungen, die ihre Selbstbestimmung, die freie Wahl von LebensvollzĂŒgen, aber auch den Schutz vor Diskriminierung betreffen. Die Kommission kommt zum Schluss, dass jede der diskutierten Möglichkeiten der aktuellen Regelung vorzuziehen ist [âŠ]âcite-ref-nek-cne-2021-33-35-92-0[92]
Diskutiert werden die Möglichkeiten des Offenlassens des Geschlechtseintrags (vergleiche Dritte Geschlechtsoption im deutschen Personenstandsgesetz ab 2013), der gĂ€nzliche Verzicht auf jegliche amtliche Registrierung des Geschlechts (vergleiche Postgenderismus), die Möglichkeit eines Eintrags «X» oder ein dem in Deutschland eingefĂŒhrten «divers» entsprechender. Abzusehen sei von jeglichen medizinischen Voraussetzungen zur Wahl des eigenen Geschlechtseintrags. Der Bund solle eine dritte Eintragungsmöglichkeit einfĂŒhren und mittelfristig sogar den vollstĂ€ndigen Verzicht auf einen Geschlechtseintrag prĂŒfen.cite-ref-nek-cne-2021-33-35-92-1[92] Ende 2020 entschieden der Nationalrat und der StĂ€nderat, dass zur Ănderung des Geschlechtseintrags mĂ€nnlich/weiblich ein Gang zum Zivilstandsamt ausreichen soll, wo die Ănderung sofort eingetragen wird (75 Franken GebĂŒhr).cite-ref-srf-2021-01-07-91-1[91]
Juristische Aspekte
Seit Inkrafttreten des Gesetzes ĂŒber die Beurkundung des Personenstandes und der EheschlieĂung von 1875 konnte in Deutschland in das Geburtsregister nur âmĂ€nnlichâ oder âweiblichâ eingetragen werden. Es gab zunehmend Kritik, dieser Zwang diskriminiere die intergeschlechtliche Minderheit. Der Deutsche Ethikrat schlug im Februar 2012 dem Deutschen Bundestag vor, âdass intergeschlechtliche Menschen auch den Eintrag âandereâ wĂ€hlen könnenâ.cite-ref-93[93] Einen Zwang zur Festlegung auf âmĂ€nnlichâ oder âweiblichâ wertete der Rat als einen ânicht zu rechtfertigenden Eingriff in das Persönlichkeitsrecht und das Recht auf Gleichbehandlungâ.
Am 7. Mai 2013 verabschiedete der Bundestag eine Ănderung des Personenstandsgesetzes. Seit dem 1. November 2013 lautete der neu eingefĂŒgte § 22 Abs. 3 PStG: âKann das Kind weder dem weiblichen noch dem mĂ€nnlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen.âcite-ref-94[94] Die Eintragung eines intergeschlechtlichen Kindes im Geburtenregister als âinterâ oder âdiversâ lieĂ das Gesetz hingegen nicht zu.cite-ref-95[95] Am 10. Oktober 2017 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass es gegen das Persönlichkeitsrecht von intergeschlechtlichen Menschen verstöĂt, wenn diese nicht mit âinterâ, âdiversâ oder durch eine andere positive Bezeichnung im Geburtenregister aufgefĂŒhrt werden dĂŒrfen. Es gab dem Gesetzgeber bis Ende 2018 Zeit, eine Neuregelung zu schaffen, die eine solche Eintragung ermöglicht.cite-ref-96[96]cite-ref-97[97]cite-ref-98[98] Die Bundesregierung legte am 15. August 2018 einen dem Urteil entsprechenden Entwurf vor. âDer Gesetzentwurf sieht hier vor, dass der Standesbeamte neben den bereits vorgesehenen Varianten die Angabe âdiversâ eintragen kann.âcite-ref-99[99] Gem. § 22 Abs. 3 PStG in der seit dem 22. Dezember 2018 geltenden Fassung kann der Personenstandsfall auch mit der Angabe âdiversâ in das Geburtenregister eingetragen werden, wenn das Kind weder dem weiblichen noch dem mĂ€nnlichen Geschlecht zugeordnet werden kann.
Personen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung können gem. § 45b PStG gegenĂŒber dem Standesamt erklĂ€ren, dass die Angabe zu ihrem Geschlecht nachtrĂ€glich durch eine andere in § 22 Abs. 3 PStG vorgesehene Bezeichnung ersetzt oder gestrichen werden soll. Die dafĂŒr vorausgesetzte Variante der Geschlechtsentwicklung ist nach höchstrichterlicher Rechtsprechung nur dann gegeben, wenn das Geschlecht nicht eindeutig anhand angeborener körperlicher Merkmale als weiblich oder mĂ€nnlich bestimmt werden kann. Eine lediglich empfundene Intergeschlechtlichkeit ist hierfĂŒr nicht ausreichend.cite-ref-100[100]
Von der 2018 eingefĂŒhrten Möglichkeit, den Geschlechtseintrag zu âdiversâ eintragen zu lassen, wurde laut Fallzahlen bis Ende September 2020 in etwa 300 FĂ€llen (0,00036 %) Gebrauch gemacht.cite-ref-101[101]cite-ref-5-102-0[102] Bei Neugeborenen, fĂŒr die Eltern statt âJungeâ oder âMĂ€dchenâ eine dritte Option als Geschlechtseintrag wĂ€hlen können, gab es:
âą 2017 17 Kinder,
âą 2018 15 und
âą 2019 11 FĂ€lle, bei bundesweit 780.000 Geburten.cite-ref-5-102-1[102]
Ein Gesetzentwurf, der ein generelles Operationsverbot bei nicht einwilligungsfĂ€higen Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung vorsieht, wurde im Wesentlichen unverĂ€ndert am 25. MĂ€rz 2021 im Bundestag verabschiedet.cite-ref-103[103]cite-ref-104[104] Das Gesetz soll laut einem Bericht im Deutschen Ărzteblatt die selbstbestimmte Entscheidung von Kindern und Jugendlichen stĂ€rken und mögliche SchĂ€den fĂŒr deren Gesundheit vermeiden. Eine operative VerĂ€nderung von Geschlechtsmerkmalen dĂŒrfte dann â auch mit Zustimmung der Eltern â nur durchgefĂŒhrt werden, wenn der Eingriff nicht bis zu einer selbstbestimmten Entscheidung des Kindes aufgeschoben werden kann. Hinzugezogene Rechtswissenschaftler und Psychologen befĂŒrworten den Ansatz mehrheitlich. Die Bundespsychotherapeutenkammer fordert auĂerdem die verpflichtende Beteiligung einer intergeschlechtlichen Beratungsperson, bei der Begutachtung vor einem möglichen Eingriff.cite-ref-105[105] Der Entwurf und das letztlich verabschiedete Gesetz wurden von der Organization Intersex International (OII) Germany sowie vom Intergeschlechtliche Menschen e. V. scharf kritisiert, da sie zu viele Ausnahmen vorsehen und intergeschlechtliche Kinder und Jugendliche nicht ausreichend vor geschlechtsangleichenden Eingriffen schĂŒtzen.cite-ref-106[106]cite-ref-107[107]cite-ref-108[108]cite-ref-109[109]
Mit dem Gesetz zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung vom 12. Mai 2021 wurde § 1631e BGB neu in das BĂŒrgerliche Gesetzbuch eingefĂŒgt.cite-ref-110[110] Das Gesetz trat am 22. Mai 2021 in Kraft.
Der EuropĂ€ische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte hat 2023 geurteilt, dass in Frankreich aus GrĂŒnden der UnverĂ€uĂerlichkeit des Personenstandes und der Notwendigkeit eines zuverlĂ€ssigen Personenstandsregisters ein intergeschlechtlicher Mensch keinen Anspruch darauf habe, dass statt mĂ€nnlich oder weiblich in die Geburtsurkunde intersexuell oder neutral eingetragen wird. Bei der Anerkennung eines dritten Geschlechts handele es sich um eine Frage, die die nationale Gesellschaft zu entscheiden habe. Der Grundsatz des französischen Rechts, den Personenstand auf der Grundlage von zwei Geschlechtern zu organisieren, sei zu respektieren (Az. 76888/17).cite-ref-111[111]
Kulturelle Aspekte
Die Idee, dass eine strikte Aufteilung aller Menschen in zwei Geschlechter (beispielsweise Adam und Evacite-ref-112[112]) den natĂŒrlich vorhandenen Gegebenheiten nicht gerecht werde, ist nicht neu. In einigen Kulturen und Religionen werden intergeschlechtliche Personen (oft zusammen mit transgeschlechtlichen Personen) als Angehörige eines dritten Geschlechts betrachtet, zum Beispiel die thailĂ€ndischen Kathoeys.
Die indischen Hijra sind berĂŒhmt geworden als erstes von Staats wegen juristisch anerkanntes âdrittes Geschlechtâ. Hijra haben eine traditionell eigene Geschlechtsrolle (Gender), die von der mĂ€nnlichen und der weiblichen verschieden sind, diese gilt traditionell als von Geburt an gegeben und unverĂ€nderlich. Allerdings sind nur wenige Hijra tatsĂ€chlich von Geburt an intergeschlechtlich, die meisten Hijra wurden als Jungs geboren.cite-ref-113[113]cite-ref-114[114]
Die norwegische Anthropologin Unni Wikan beschrieb die Chanith (auch xanith, khanith, arabisch ŰźÙÙŰ«, DMG áž«anÄ«áčŻ) aus dem Nordosten des Oman. Chanith waren abgeschĂ€tzt etwa zwei Prozent der mĂ€nnlichen Bevölkerung in den 1970er Jahren. Es handelt sich um ein soziales Rollenmodell (gender), mit Verhaltensweisen und Kleidermoden zwischen den traditionell im Oman praktizierten Geschlechterrollen. Viele Chanith arbeiteten als Prostituierte. Nach Wikans Deutung setzt die mĂ€nnliche Rolle in der omanischen Gesellschaft auch die âmĂ€nnlicheâ Rolle im Geschlechtsverkehr voraus. Ein Rollenwechsel zwischen Chanith und Mann ist jederzeit möglich: sobald âmĂ€nnlicheâ SexualitĂ€t praktiziert wird, wird der Chanith zum (sozialen) Mann. Chanith sind damit ein Rollenmodell im Rahmen der praktizierten HomosexualitĂ€t.cite-ref-115[115]cite-ref-116[116] Ein direkter Bezug zu Intergeschlechtlichkeit besteht nicht.
In indigenen nordamerikanischen Kulturen wurden Personen, die im Verhalten und in der Kleidung das Rollenmodell des jeweils anderen Geschlechts annahmen, Nadlehee (auch Nadle) oder Berdache genannt. Diese waren angesehen und hatten besondere Rollen in der Gesellschaft, besonders auch in der kultischen Praxis. Nach den meisten Forschern soll es sich ĂŒberwiegend um biologisch mĂ€nnliche Personen gehandelt haben, genaue Aussagen sind schwierig, weil die Praxis untergegangen und verloren ist.cite-ref-117[117] Nach einer Untersuchung des US-amerikanischen Anthropologen Willard Williams Hill in den 1930er Jahren sollen speziell beim Volk der Navajo die Nadle vor allem, aber nicht ausschlieĂlich intergeschlechtliche Menschen gewesen sein; diese wurden von Geburt an auf ihre besondere Rolle vorbereitet.cite-ref-118[118] Moderne Vertreter der indigenen Völker Nordamerikas lehnen den Begriff Berdache ab, da er von EuropĂ€ern geprĂ€gt worden sei. 1990 wurde auf einer Konferenz in Winnipeg, Kanada, der moderne Ersatzbegriff Two-Spirit neu eingefĂŒhrt.cite-ref-119[119]
Die Burnesha (auch eingeschworene Jungfrauen) des nördlichen Albaniens und angrenzenden Montenegro sind Frauen, die im Rahmen des Kanun genannten Rechtssystems die soziale Rolle von MĂ€nnern in der albanischen Gesellschaft einnehmen. Damit können sie in der strikt patriarchalen traditionellen albanischen Gesellschaft die Rolle des Familienoberhaupts antreten, die sonst MĂ€nnern vorbehalten war. Frauen können aus freiem Antrieb Burnesha werden und werden in dieser Rolle akzeptiert, ihnen ist aber dann die Heirat und jeder Geschlechtsverkehr verwehrt. Es besteht keine volle Einigkeit darin, ob Burneshe die volle mĂ€nnliche Rolle ĂŒbernahmen oder doch in manchen Punkten eine eigene Rolle zwischen den traditionellen Geschlechtern zugewiesen bekamen.cite-ref-120[120] Eine nĂ€here Beziehung zu Intergeschlechtlichkeit ist damit aber nicht gegeben.
In den traditionellen Gesellschaften Polynesiens gibt es auf zahlreichen Inseln Minderheiten mit kulturell abweichenden Geschlechterrollen, diese werden in Samoa FaÊ»afafine, in Tonga Fakaleiti, in Hawaii und Tahiti maha genannt.cite-ref-121[121] In allen FĂ€llen handelt es sich um biologisch mĂ€nnliche Personen, die traditionelle Frauenrollen ĂŒbernehmen. Da in den Gesellschaften die Geschlechterrollen traditionell eher ĂŒber verschiedene Arbeiten in der Gemeinschaft als sexuell definiert waren, ist die Beziehung zu westlichen Konzepten wie Transgeschlechtlichkeit schwierig und zudem durch den Kontakt zu westlichen kulturellen EinflĂŒssen im Wandel begriffen,cite-ref-122[122] zum Konzept der Intergeschlechtlichkeit gibt es keine BerĂŒhrungspunkte. FaÊ»afafine haben mĂ€nnliche körperliche Geschlechtsmerkmale, betrachten sich im Selbstbild aber als weiblich. Die sexuelle Orientierung ist fĂŒr das Selbstbild nicht zentral. Geschlechtliche Beziehungen zum selben biologischen Geschlecht werden von ihnen nicht als HomosexualitĂ€t definiert.cite-ref-123[123]
In der altgriechischen Mythologie war der Seher Teiresias erst Mann, dann Frau und dann wieder Mann.
Intergeschlechtliche Gottheiten finden sich unter anderem in den buddhistischen und hinduistischen Hochkulturen. Im Shivaismus und Shaktismus (zwei spiegelbildliche Hauptkonfessionen des Sanatana Dharma) wird Göttlichkeit generell mĂ€nnlich*weiblich/weiblich*mĂ€nnlich gedacht. Shiva & Shakti sind die untrennbaren Bestandteile des Universums und bilden zusammen ein Prinzip. Mindestens 500 Millionen Menschen folgen diesem Konzept. Unterschiedlich ist die Gewichtung des mĂ€nnlichen/weiblichen: Die Shaivas beziehen sich etwas stĂ€rker auf die körperlose Dynamik (Shiva), die Shaktas mehr auf die Bedeutung der UrmaterialitĂ€t (Shakti). Nach diesem Konzept sind beide Pole alleine machtlos. Shiva ist ohne Shakti körperlos, amateriell (Shava). Shakti hingegen ist ohne Shiva bewegungslos. Zusammen bilden sie den sich zyklisch transformierenden Kosmos. In der Gestalt der*des Ardhanarishvara finden sie eine besonders deutliche konzeptuelle ZusammenfĂŒhrung. Graphisch wird diese im heiligen Yantra-Ikon des Shatkona dargestellt, das den Shiva- und Shaktiaspekt in zwei ineinander verschrĂ€nkten Dreiecken (Trikonas) in einem Hexagramm (Shatkona) verbindet. Shiva und Shakti beinhalten sich generell gegenseitig. Bekannt ist ebenfalls Bodhisattva Avalokiteshvara, Gottheit des MitgefĂŒhls (japanisch Kannon). Auch hier wird das Transzendieren der Geschlechtergrenzen als spirituelle Ăberwindung der DualitĂ€t interpretiert.
In christlichen, patriarchalisch geprĂ€gten Gesellschaften wird dagegen hĂ€ufig auf die Bibel verwiesen. Gott habe laut Schöpfungsgeschichte die Menschen ausschlieĂlich als Mann und Frau geschaffen. Daher wurden intergeschlechtliche Menschen gerade hier immer wieder gezwungen, sich einem dieser beiden Geschlechter anzupassen. 1999 hat die intergeschlechtliche Theologin Sally Gross in Bezug auf zwei Bibelstellen (Gen 1,27 und Num 5,3 ) darauf hingewiesen, dass â dem Buchstaben nach â die Grammatik dieser Texte auf mehr als zwei Geschlechter hinweisen könnte. Dabei berief sich Gross auch auf einige talmudische Glossen, die einen anekdotischen Charakter haben.cite-ref-sally-gross-intersexuality-and-scripture-124-0[124]
Historische Aspekte
Die Bandbreite des historisch belegten Umgangs mit intergeschlechtlichen Menschen bis in die FrĂŒhe Neuzeit reicht von Verehrung bis zu Tötungsdelikten. Die Assimilierung von Hermaphroditen oder Zwittern, wie intergeschlechtliche Menschen vor der EinfĂŒhrung dieses Begriffes meist genannt wurden, in die beiden Geschlechter âMannâ und âFrauâ erhielt mit der modernen Medizin eine völlig neue QualitĂ€t.
So stellte bis Ende des 19. Jahrhunderts in PreuĂen das Allgemeine Landrecht Hermaphroditen noch frei, sich ab dem vollendeten 18. Lebensjahr entweder fĂŒr das mĂ€nnliche oder fĂŒr das weibliche Geschlecht zu entscheiden. Bis dahin konnten die Eltern entscheiden, âzu welchem Geschlecht sie erzogen werden sollenâ.cite-ref-125[125] Ein Dritter konnte jedoch, wenn seine Rechte vom Geschlecht eines âvermeintlichen Zwittersâ abhĂ€ngig waren (u. a. durch die unterschiedlichen Rechte der Geschlechter, beispielsweise bei Erbschaften), die Begutachtung durch einen SachverstĂ€ndigen beantragen, der auch gegen die Wahl des Zwitters oder seiner Eltern entscheiden konnte.cite-ref-126[126] Seit der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts nahmen Mediziner jedoch zunehmend fĂŒr sich in Anspruch, anhand willkĂŒrlicher und sich ĂŒber die Zeit hinweg verĂ€ndernder Kriterien das âwahreâ Geschlecht von âPseudoâ-Hermaphroditen unabhĂ€ngig von deren Willen zu bestimmen â mit oft traumatischen Folgen fĂŒr diejenigen, die plötzlich einem anderen Geschlecht zugewiesen wurden. Dies lĂ€sst sich unter anderem an der Autobiographie (Anfang des 19. Jahrhunderts) und dem Suizid von Herculine Barbin ablesen. In anderen âFĂ€llenâ nahmen allerdings auch zahlreiche Mediziner Abstand davon, anhand von KeimdrĂŒsen ein Geschlecht zuzuweisen. Auch wurde oftmals keine Operation vorgenommen, um im Körperinneren vermutetes KeimdrĂŒsengewebe zu bestimmen, da solche Operationen gefĂ€hrlich waren. Allerdings nahmen auch Patienten ab einem gewissen Alter selbst Einfluss auf die Diagnose.cite-ref-127[127]
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden intergeschlechtliche Menschen darĂŒber hinaus als âmissgebildetâ und âkrankâ klassifiziert. Ihre Geschlechtsorgane wurden nicht selten von Ărzten abfotografiert und öffentlich zur Schau gestellt.
Ein etwas besseres Bild gab es nach der EinfĂŒhrung des Begriffes âIntergeschlechtlichkeitâ vorĂŒbergehend in der Weimarer Republik. Die deutsche Ărzteschaft war, wie bei Hans Naujoks deutlich wird, intergeschlechtlichen Menschen gegenĂŒber ĂŒberaus positiv eingestellt, und entwickelte bis 1930, selbstverstĂ€ndlich entsprechend dem Stand der Forschung, relativ hochkomplizierte Operationstechniken, die auch Hormontherapie beinhalteten.
Im Gegensatz zur Nachkriegszeit war vor der NS-Zeit bei deutschen Ărzten das psychosoziale Geschlecht der Patienten entscheidend. Insbesondere wurde aus Respekt vor dem Wohle des Kindes und nicht wegen fehlender Möglichkeiten bewusst davon abgesehen, Kindern einen Körper aufzuzwingen, in dem sie unglĂŒcklich wĂŒrden. Zwischen den Zeilen scheint Naujoks sogar zuzugeben, dass deutsche Ărzte auch transgeschlechtliche Menschen behandelt und dem Amt gegenĂŒber die Diagnose manipuliert haben.cite-ref-128[128]
Die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland war fĂŒr intergeschlechtliche Menschen ein ganz besonders schwerer RĂŒckschlag, bis in die heutige Zeit. Der fĂŒhrende Rassenhygieniker Fritz Lenz forderte 1936 Intersex-Forschungen an Zwillingen,cite-ref-129[129] und meinte damit Kinder. Der Deutsche Hugo Höllenreiner, der als ethnischer Sinto das Vernichtungslager Auschwitz ĂŒberlebt hat, berichtete, wie er 1943 von Lagerarzt und Kriegsverbrecher Josef Mengele bei Versuchen zur operativen Geschlechtsumwandlung als neunjĂ€hriger Junge im Genitalbereich verletzt wurde.cite-ref-130[130] Höllenreiners Beschreibung lĂ€sst brutale Versuche zur Schaffung einer Neo-Vagina am Kind vermuten.
Seit den 1950er Jahren machte die Medizin ihr âHeilungsinteresseâ auch praktisch geltend. Zu diesem Zeitpunkt begann der amerikanische Arzt und Psychiater John Money mit frĂŒhkindlichen Operationen an intergeschlechtlichen Menschen zu experimentieren. Ziel war damals, die fehlende Geschlechtseindeutigkeit spĂ€testens bis zum zweiten Lebensjahr durch massive chirurgische und hormonelle Eingriffe zu beheben. Die Empfehlung Moneys, das kĂŒnftige Geschlecht des Kindes einfach nach Machbarkeit auszuwĂ€hlen, setzte sich schlieĂlich vierzig Jahre lang als ein internationaler Standard durch. Dieser Standard wird jedoch seit Mitte der 1990er Jahre sowohl durch die Proteste intergeschlechtlicher Menschen als auch durch die Kritik renommierter Mediziner wie Milton Diamond zunehmend in Frage gestellt (vgl. auch der John/Joan-Fall, bei dem John Money versuchte, einen endogeschlechtlichen Jungen nach einer gescheiterten Zirkumzision in ein MĂ€dchen zu verwandeln).
Trotz immer stĂ€rker gewordener Kritik hat eine Studie der deutschen Vertretung der Internationalen Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen ergeben: âFĂŒr den Zeitraum 2005 bis 2014 ist also kein RĂŒckgang âfeminisierenderâ und âmaskulinisierenderâ Genitaloperationen in der Kindheit festzustellen.âcite-ref-131[131]
Aktuelle Aspekte
2008 und 2010 hat eine nationale Nichtregierungsorganisation die NichterfĂŒllung ratifizierter Rechte intergeschlechtlicher Menschen in âSchattenberichtenâ bei den Vereinten Nationen in den Ausschuss fĂŒr die Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) und den UN-Ausschuss fĂŒr wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (CESCR) zur Verhandlung gebracht.
Ab 2010 beschĂ€ftigte sich der Deutsche Ethikrat mit der Situation intergeschlechtlicher Menschen und veröffentlichte 2012 eine Stellungnahme im Auftrag der Bundesregierung. Der Rat vertrat die Auffassung, dass intergeschlechtliche Menschen als ein Teil gesellschaftlicher Vielfalt den Respekt und die UnterstĂŒtzung der Gesellschaft erwarten dĂŒrfen. Zugleich mĂŒssten sie vor medizinischen Fehlentwicklungen und Diskriminierungen geschĂŒtzt werden.cite-ref-132[132]
Das am 7. Mai 2021 im deutschen Bundesrat verabschiedete Gesetz zur Ănderung des Achten Sozialgesetzbuches (SGB VIII) enthĂ€lt â erstmals in einem Rechtstext dieser Bedeutung â in § 9 Grundrichtung der Erziehung, Gleichberechtigung von jungen Menschen im 3. Absatz die ErwĂ€hnung von âtransidenten, nichtbinĂ€ren und intergeschlechtlichenâ Personen:
âBei der Ausgestaltung der Leistungen und der ErfĂŒllung der Aufgaben sind [âŠ] 3. die unterschiedlichen Lebenslagen von MĂ€dchen, Jungen sowie trans-identen, nichtbinĂ€ren und intergeschlechtlichen jungen Menschen zu berĂŒcksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern.â
â
SGB VIII, § 9
(in Kraft getreten am 10. Juni 2021)
Aktionstage
Am 17. Mai wird seit 2005 weltweit der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia and Transphobia: IDAHOBIT) als Aktionstag begangen, um auf die Diskriminierung und Bestrafung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder GeschlechtsidentitÀt hinzuweisen.cite-ref-133[133]
Am 26. Oktober findet der Intersex Awareness Day statt.cite-ref-134[134] Er wurde von der Organisation Intersex International Australia 1996 anlĂ€sslich der Anerkennung einer dritten Geschlechtsoption eingefĂŒhrt.
Am 8. November wird der Intersex Day of Remembrance oder Intersex Solidarity Day begangen.cite-ref-135[135]cite-ref-136[136] Er markiert den Geburtstag von Abel Barbin.cite-ref-137[137]
Siehe auch
:
Internationale LGBT-Aktionstage
Mediale ReprÀsentation
Romane
âą 1915: Im Roman Der Golem von Gustav Meyrink spielt der Hermaphroditismus eine wichtige Rolle.
âą 1950â1952: Im Foundation-Zyklus von Isaac Asimov tritt ein Hermaphrodit namens Fallom auf, dessen Doppelgeschlechtlichkeit auf dem Planeten Solaria gezielt herbeigefĂŒhrt wurde; dennoch wird Fallom zumindest in der Sprache wie eine Frau behandelt.
âą 1991: Im Barrayar-Zyklus von Lois McMaster Bujold gibt es die hermaphroditen Herm vom Planeten Beta. In der Science-Fiction-Literatur wird Hermaphrodismus oft als Kennzeichnung auĂerirdischer Lebensformen verwendet oder auch als (absichtlich hervorgerufener) âfremdartigerâ Zustand zukĂŒnftiger Menschen(kulturen) eingefĂŒhrt.
âą 1993: Im historischen Azteken-Roman Der Greif von Gary Jennings ist die Hauptfigur ein Hermaphrodit.
âą 2002: Der Roman Middlesex von Jeffrey Eugenides beschreibt die Lebensgeschichte der hermaphroditen Hauptfigur Calliope und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens; das Buch erhielt 2003 den Pulitzer-Preis.
âą 2005: Im Roman Die Galerie der LĂŒgen von Ralf Isau sind gleich mehrere Figuren echte Hermaphroditen; der Autor behandelt nicht nur das âHin- und HergestoĂensein zwischen den Geschlechternâ, sondern geht auch auf unkonventionelle Weise der Frage nach, ob intergeschlechtliche Menschen der nĂ€chste Schritt der Evolution sind.
Spielfilme
âą 1919: Der deutsche Stummfilm Aus eines Mannes MĂ€dchenjahren von Julius Rode und Paul Legband war die Verfilmung der 1907 erschienenen Biografie der intergeschlechtlichen Person Karl M. Baer; der Film gilt als verschollen.
âą 2007: Das deutsche âdokumentarische Experiment/visuelle HörstĂŒckâ Die Katze wĂ€re eher ein Vogel bietet Einblicke in die Erfahrungswelten von vier intergeschlechtlichen Menschen.cite-ref-140[140]
âą 2011: Die MĂŒnsteraner Tatort-Folge Zwischen den Ohren thematisiert Intergeschlechtlichkeit und die Akzeptanz- sowie Selbstfindungsprobleme, mit denen Menschen mit dieser genetisch bedingten Variation hĂ€ufig zu kĂ€mpfen haben.
âą 2014â2016: In der US-amerikanischen Fernsehserie Faking It ist die Figur der Lauren Cooper intergeschlechtlich (gespielt von Bailey De Young); thematisiert werden die Akzeptanz von auĂen und die eigene Akzeptanz der Betroffenen.cite-ref-142[142]cite-ref-143[143]
Siehe auch
:
Filme mit Bezug auf Transgender-Themen
und
Filme und Dokus ĂŒber nichtbinĂ€re Personen
Siehe auch
Literatur
Leitlinien der AWMF
âą S2k-Leitlinie Varianten der Geschlechtsentwicklung der Deutsche Gesellschaft fĂŒr pĂ€diatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED), Deutsche Gesellschaft fĂŒr Urologie (DGU), Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kinder- und Jugendchirurgie (DGKJCH). In: AWMF online (Stand August 2024)
Publikationen intergeschlechtlicher Menschen
âą N. O. Body (Karl M. Baer): Aus eines Mannes MĂ€dchenjahren. Reprint der Erstausgabe. 1. Auflage. Edition Hentrich, Berlin 1993, ISBN 3-89468-086-5 (Originalausgabe: Riecke, Berlin 1907).
âą AGGPG (Memento vom 4. Juni 2001 im Internet Archive), Bremen
âą Michel Reiter: Ein normales Leben ermöglichen. In: Neue Gesellschaft fĂŒr Bildende Kunst (NGBK) (Hrsg.): 1-0-1 [one âo one] intersex: Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 17. Juni bis zum 31. Juli 2005, NGBK, Berlin 2005, ISBN 3-926796-95-2, S. 136â141.
âą Ins A. Kromminga: Die Borniertheit der Toleranz. Die extraterrestrischen Strahlen meiner Jugend â (Scotty, where ARE you?!) In: Neue Gesellschaft fĂŒr Bildende Kunst (Hrsg.): 1-0-1 [one âo one] intersex: Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung. NGBK, Berlin 2005, ISBN 3-926796-95-2, S. 27â31.
âą Curtis E. Hinkle: Sexistische Genetik und ambivalente Medizin. In: GID Spezial. Band 9, 2009, S. 27â29.
âą Internationale Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen (IVIM): Intergeschlechtlichkeit ist kein medizinisches Problem! In: GID Spezial. Band 9, 2009, S. 21â26.
âą Verein Intersexuelle Menschen e. V.: Vielfalt zulassen? Wir sind dafĂŒr! Stellungnahme des Vereins Intersexuelle Menschen e. V. zur PrĂ€implantationsdiagnostik. In: GID Spezial. Band 9, 2009, S. 30â32.
âą Elisa Barth, Ben Böttger, Dan Christian Ghattas, Ina Schneider (Hrsg.): Inter. Erfahrungen intergeschlechtlicher Menschen in der Welt der zwei Geschlechter. Lebensgeschichten aus ĂŒber zehn LĂ€ndern. NoNo-Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-942471-03-9.
Medizin und Psychologie
âą Deutscher Ethikrat: IntersexualitĂ€t â Stellungnahme. Berlin, 23. Februar 2012, ISBN 978-3-941957-27-5 (PDF: 1,5 MB, 201 Seiten auf ethikrat.org (Memento vom 27. Februar 2012 im Internet Archive)).
âą Katinka Schweizer, Hertha Richter-Appelt: IntersexualitĂ€t kontrovers. Grundlagen, Erfahrungen, Positionen. Psychosozial Verlag, GieĂen 2012, ISBN 978-3-8379-2188-5.
âą Knut Werner-Rosen: Was ist IntersexualitĂ€t? Biologische und psychische Aspekte. In: Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Sport (Hrsg.): MĂ€nnlich â Weiblich â Menschlich. Zusammenleben in Berlin. Berlin 2006, S. 29â41, Zusammen leben in Berlin. (Memento vom 13. April 2014 im Internet Archive) (PDF)
âą Heinz-JĂŒrgen VoĂ: IntersexualitĂ€t â Intersex: Eine Intervention. Unrast, MĂŒnster 2012, ISBN 978-3-89771-119-8.
âą Claire Ainsworth: Sex redefined. In: Nature. Band 518, Februar 2015, S. 288â291 (englisch; Vollversion: doi:10.1038/518288a).
Sport
âą Dennis KrĂ€mer: IntersexualitĂ€t im Sport â Mediale und medizinische Körperpolitiken. Transcript, Bielefeld 2020, ISBN 978-3-8376-5035-8.
Geschichte
⹠Ulrike Klöppel: XX0XY ungelöst: Hermaphroditismus, Sex und Gender in der deutschen Medizin: Eine historische Studie zur IntersexualitÀt. Transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1343-8.
âą Ulrike Klöppel: Zwitter, Zweifel, Zwei-Geschlechter-Norm. In: GID Spezial. Band 9, 2009, S. 5â12.
âą Jeanne Dericks-Tan, Gerold Martin: Onans Kinder: Merk-WĂŒrdiges zu SexualitĂ€t und Fortpflanzung aus Geschichte und Medizin. Abadi, Alzenau 2000, ISBN 3-00-006497-4.
âą Heinz-JĂŒrgen VoĂ: IntersexualitĂ€t â Intersex: Eine Intervention. Unrast, MĂŒnster 2012, ISBN 978-3-89771-119-8.
Sozialwissenschaften
âą Ulla Fröhling: Leben zwischen den Geschlechtern: IntersexualitĂ€t â Erfahrungen in einem Tabubereich. Links, Berlin 2003, ISBN 3-86153-290-5.
⹠Kathrin Zehnder: Zwitter beim Namen nennen-IntersexualitÀt zwischen Pathologie, Selbstbestimmung und leiblicher Erfahrung. Transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1398-8.
âą Adrian de Silva: Physische IntegritĂ€t und Selbstbestimmung: Kritik medizinischer Leitlinien zur IntersexualitĂ€t. In: Zeitschrift fĂŒr Sexualforschung. Band 20, Nr. 2, 2007, S. 176â185.
Recht
âą Marjolein van den Brink, Peter Dunne: Trans and intersex equality rights in Europe â a comparative analysis. Herausgegeben von der EuropĂ€ischen Kommission (Directorate-General for Justice and Consumers). BrĂŒssel, November 2018, ISBN 978-92-79-95764-2 (englisch; European network of legal experts in gender equality and non-discrimination; doi:10.2838/75428; PDF: 640 kB, 117 Seiten auf ec.europa.eu).
âą Arne Duncker: Recht und Geschlechtsdefinition â das âjuristische Geschlechtâ. In: Derselbe: Gleichheit und Ungleichheit in der Ehe. Böhlau, Köln u. a. 2003, ISBN 3-412-17302-9, S. 253â295 (rechtshistorisch).
âą Elisabeth Holzleithner: Variation als Abweichung: Zur medizinischen und juristischen Herstellung des Geschlechts von Intersexuellen. In: [sic! Forum fĂŒr feministische Gangarten. Heft 42, 2002, S. 10â11 (Volltext als PDF: 48 kB, 5 Seiten auf: univie.ac.at).
âą Konstanze Plett: IntersexualitĂ€t aus rechtlicher Perspektive. In: polymorph (Hrsg.): (K)ein Geschlecht oder viele? Transgender in politischer Perspektive. Querverlag, Berlin 2002, S. 31â42 (Erstveröffentlichung: Recht auf ein eigenes Geschlecht. In: Gigi â Zeitschrift fĂŒr sexuelle Emanzipation. Nr. 13, MaiâJuni 2001, S. 24â27).
âą Konstanze Plett: Intersexuelle â gefangen zwischen Recht und Medizin. In: Frauke Koher, Katharina PĂŒhl (Hrsg.): Gewalt und Geschlecht. Konstruktionen, Positionen, Praxen. Leske / Budrich, Opladen 2003, S. 21â41.
âą Konstanze Plett: IntersexualitĂ€t als PrĂŒfstein: Zur rechtlichen Konstruktion des zweigeschlechtlichen Körpers. In: Kathrin Heinz, Barbara Thiessen (Hrsg.): Feministische Forschung â Nachhaltige EinsprĂŒche. Leske / Budrich, Opladen 2003, S. 323â336.
âą Konstanze Plett: Intersex und Menschenrechte. In: Claudia Lohrenscheit (Hrsg.): Sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht. Nomos, Baden-Baden 2009, S. 151â167.
⹠Angelika Kolbe: IntersexualitÀt, Zweigeschlechtlichkeit und Verfassungsrecht. Eine interdisziplinÀre Untersuchung. Nomos, Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-8329-5449-9.
⹠Britt Tönsmeyer: Die Grenzen der elterlichen Sorge bei intersexuell geborenen Kindern. Nomos, Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-8329-7318-6.
âą Andreas Wacke: Vom Hermaphroditen zum Transsexuellen: Zur Stellung von Zwittern in der Rechtsgeschichte. In: Heinz Eyrich u. a. (Hrsg.): Festschrift fĂŒr Kurt Rebmann zum 65. Geburtstag. Beck, MĂŒnchen 1989, ISBN 3-406-33811-9, S. 861â903.
Kunst
âą Neue Gesellschaft fĂŒr Bildende Kunst (Hrsg.): 1-0-1 [one âo one] intersex: Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung JuniâJuli 2005, NGBK, Berlin 2005, ISBN 3-926796-95-2.
Weitere
âą Clara Morgen: Mein intersexuelles Kind: weiblich mĂ€nnlich flieĂend. Transit, Berlin 2013, ISBN 978-3-88747-298-6.
Dokumentationen
âą 2001: Der deutsche Dokumentarfilm Das verordnete Geschlecht von Oliver Tolmein und Bertram Rotermund veranschaulicht Zwitter und Geschlechterpolitik in Deutschland.cite-ref-144[144]
âą 2006: Der österreichische Dokumentarfilm Tintenfischalarm zeigt die Geschichte des intergeschlechtlichen Alex JĂŒrgen, der geschlechtsuneindeutig geboren wurde, im Kindesalter geschlechtsangleichende Operationen und Hormonbehandlungen zur Verweiblichung erhĂ€lt und im Erwachsenenalter die Entscheidung zur operativen und hormonellen VerĂ€nderung zum Mann trifft; Alex JĂŒrgen erstritt 2018 vor dem österreichischen Verfassungsgerichtshof die rechtliche Einrichtung der dritten Geschlechtsoption âdiversâ.cite-ref-145[145]cite-ref-146[146]
⹠2017: Die französische Dokumentation Nicht Frau, nicht Mann! von Regine Abadia begleitet zwei intergeschlechtliche Aktivisten/Aktivistinnen, die sich vor allem gegen chirurgische Eingriffe und Hormonbehandlungen bei Kindern nach ihrer Geburt einsetzen (produziert von Arte France).cite-ref-149[149]
âą 2020: Die deutsche Dokumentation Sex und IdentitĂ€t â Eine diverse Geschichte von Olaf S. MĂŒller veranschaulicht unter anderem die Vielfalt der biologischen Intergeschlechtlichkeiten (produziert vom Mitteldeutschen Rundfunk MDR; Sex steht hierbei fĂŒr âbiologisches Geschlechtâ, vom englischen sex).cite-ref-150[150]
âą Video von WDR-Doku: MĂ€nnlich oder weiblich? Das dritte Geschlecht auf YouTube, 7. Juni 2018 (43:03 Minuten).
⹠Video von WDR-Quarks: IntersexualitÀt: Warum es mehr als zwei Geschlechter gibt auf YouTube, 29. Mai 2021 (43:50 Minuten; Doku von 2018).
Weblinks
Commons
: IntersexualitÀt
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Intergeschlechtlichkeit
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Literatur von und ĂŒber Intergeschlechtlichkeit im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Portale:
⹠Regenbogenportal: Intergeschlechtlich, inter*, Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale (Bundesfamilienministerium).
âą Amnesty International, Deutsche Sektion: Liebe ist ein Menschenrecht: Queeramnesty (Artikel-Sammlung zu Inter- und Transgeschlechtlichkeit).
⹠Hamburg Open Online University (HOOU): Intersex-Kontrovers (Projekt von UniversitÀtsklinikum Hamburg-Eppendorf und UniversitÀt Hamburg).
âą NRW-Portal: inter*. In: inter-nrw.de (Materialien fĂŒr medizinisches und pflegerisches Fachpersonal).
âą FH-Dortmund.de, Projektseite: InTraHealth (Verbesserung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung fĂŒr inter- und transgeschlechtliche Menschen).
âą Deutschsprachige Vertretung von Intersex International: IVIM / OII Deutschland (seit 2008).
âą Hamburg: Intergeschlechtliche Menschen e. V.
âą International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA): Intersex. In: ILGA-Europe.org (Ăbersicht, englischsprachig).
âą Ăsterreich: VARGES â Beratungsstelle fĂŒr Variationen der Geschlechtsmerkmale. Peer-Beratungsangebot fĂŒr Menschen mit Variationen der Geschlechtsmerkmale und ihre Angehörigen (seit 2019).
Artikel:
âą Olaf Hiort: Gibt es mehr als zwei Geschlechter? In: Spektrum.de. 22. Februar 2021 (âWelche Rolle spielt neben der Biologie unsere kulturelle Wahrnehmung?â)
âą Alisa Schröter: IntersexualitĂ€t: Operiert, weil sie weder mĂ€nnlich noch weiblich sind. In: Zeit.de 20. Januar 2020 (âKinder, deren Geschlechtsorgane von Geburt an uneindeutig sind, landen oft auf dem OP-Tisch. Das soll sich Ă€ndern. Intersexuelle sollten in keine Norm gezwungen werdenâ).
Einzelnachweise
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cite-note-2-55. â Dan Christian Ghattas: Menschenrechte zwischen den Geschlechtern. Vorstudie zur Lebenssituation von Inter*Personen. In: Heinrich Böll-Stiftung (Hrsg.): Reihe Demokratie. Band 34. Berlin 2013, ISBN 978-3-86928-115-5 (boell.de [PDF]).
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cite-note-1212. â S2k-Leitlinie Varianten der Geschlechtsdifferenzierung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr pĂ€diatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie, Deutschen Gesellschaft fĂŒr Urologie, Deutschen Gesellschaft fĂŒr Kinderchirurgie. In: AWMF online (Stand angemeldet)
cite-note-7-1313. â Deutsche Gesellschaft fĂŒr Urologie DGU e. V. = DGU, Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kinderchirurgie e. V. = DGKCH, Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kinderendokrinologie und -diabetologie [DGKED] e. V. (Hrsg.): S2k-Leitlinie Varianten der Geschlechtsentwicklung. Juli 2016, S. 5 (aem-online.de [PDF]).
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cite-note-1717. â Melanie Blackless, Anthony Charuvastra, Amanda Derryck, Anne Fausto-Sterling, Karl Lauzanne, Ellen Lee: How sexually dimorphic are we? Review and synthesis. In: American Journal of Human Biology: The Official Journal of the Human Biology Council. Band 12, Nr. 2, MĂ€rz 2000, ISSN 1520-6300, S. 151â166, doi:10.1002/(SICI)1520-6300(200003/04)12:2<151::AID-AJHB1>3.0.CO;2-F, PMID 11534012.
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cite-note-8-2020. â Intersexuell? Intergeschlechtlich! Queeres Netzwerk Niedersachsen e. V., 17. Dezember 2020, abgerufen am 1. Mai 2023.
cite-note-9-2121. â Intergeschlechtliche Menschen e. V. (Hrsg.): Wissen, Beratung, Selbsthilfe und Rechte fĂŒr intergeschlechtlich geborene Menschen, ihre Familien und Angehörigen sowie ihr weiteres Umfeld. 2021, S. 2 (im-ev.de [PDF]).
cite-note-2222. â Intersex is not a gender identity, and the implications for legislation â Intersex Human Rights Australia. 21. MĂ€rz 2012, abgerufen am 2. Mai 2023 (englisch).
cite-note-2323. â Dominic Frohn, Michael Wiens, Sarah Buhl, Milena Peitzmann, Nain Heiligers: Inter* im Office?! Die Arbeitssituation von inter* Personen in Deutschland unter differenzieller Perspektive zu (endo*) LSBT*Q+ Personen. Hrsg.: Institut fĂŒr Diversity- & Antidiskriminierungs- forschung. 2020, S. 6 (antidiskriminierungsstelle.de [PDF]).
cite-note-241. Richard Goldschmidt: VorlĂ€ufige Mitteilung ĂŒber weitere Versuche zur Vererbung und Bestimmung des Geschlechts. In: K. Goebel, R. Hertwig (Hrsg.): Biologisches Centralblatt. Band 35. Thieme, Leipzig 1915, S. 565â566 (Textarchiv â Internet Archive).
cite-note-2525. â Richard Goldschmidt: VorlĂ€ufige Mitteilung ĂŒber weitere Versuche zur Vererbung und Bestimmung des Geschlechts. In: Biologisches Centralblatt. Band 35, Nr. 12, 1915, S. 565â570.
cite-note-kl-ppel-2010-ii-3-4-2626. â Ulrike Klöppel: XX0XY ungelöst: Hermaphroditismus, Sex und Gender in der deutschen Medizin: Eine historische Studie zur IntersexualitĂ€t. transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1343-8, Kap. II.3.4.
cite-note-2727. â Siehe Helga Satzinger: Differenz und Vererbung: Geschlechterordnungen in der Genetik und Hormonforschung 1890â1950. Böhlau, Köln [u. a.] 2009, ISBN 978-3-412-20339-9, Kapitel II.3.
cite-note-2828. â Goldschmidt selbst kritisierte die âwillkĂŒrliche Begriffsverwendungâ: Richard Goldschmidt: Die sexuellen Zwischenstufen. Julius Springer, Berlin 1931, S. 12.
cite-note-2929. â Consensus Statement on Management of Intersex Disorders (PDF) Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ) sowie die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Endokrinologie (DGE) hat sich in ihrer Leitlinie Störungen der Geschlechtsentwicklung der im Consensus Statement vorgeschlagenen Nomenklatur angeschlossen.
cite-note-6-3030. â Internetredaktion des Bundesministeriums fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die medizinische Leitlinie âVarianten der Geschlechtsentwicklungâ. Abgerufen am 4. Mai 2023.
cite-note-3131. â Stellungnahme. (PDF) BundesĂ€rztekammer, 30. Januar 2015, abgerufen am 26. Januar 2022.
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cite-note-ivim-basisprinzipien-2011-3838. â IVIM: Unsere Basisprinzipien. (Memento vom 2. Dezember 2011 im Internet Archive) In: intersexualite.de. 2011, abgerufen am 19. April 2020.
cite-note-3939. â Vorstand der BundesĂ€rztekammer: Stellungnahme der BundesĂ€rztekammer: âVersorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Varianten/Störungen der Geschlechtsentwicklung (Disorders of Sex Development, DSD).â In: Deutsches Ărzteblatt. 30. Januar 2015 (doi:10.3238/arztebl.2015.stn dsd baek 01).
cite-note-4040. â Curtis E. Hinkle: Sexistische Genetik und ambivalente Medizin. In: GID Spezial. Band 9, 2009, S. 27â29 (online auf intersexualite.de). Siehe auch Adrian de Silva: Physische IntegritĂ€t und Selbstbestimmung: Kritik medizinischer Leitlinien zur IntersexualitĂ€t. In: Zeitschrift fĂŒr Sexualforschung. Band 20, Nr. 2, 2007, S. 176â185.
cite-note-0-4141. â Intersexuelle Menschen e. V. (Hrsg.): Fakten zu Intergeschlechtlichkeit: Dem Unbekannten einen Namen geben â (Selbst)Bezeichnungen fĂŒr intergeschlechtliche Menschen. Dezember 2020 (PDF: 272 kB, 2 Seiten auf selbstverstaendlich-vielfalt.de).
cite-note-4242. â Inter*-Aktion: Die erste Berliner Inter*-Tagung
cite-note-4343. â Manuela Tillmanns: Intergeschlechtlichkeit : Impulse fĂŒr die Beratung. Psychosozial-Verlag, Giessen 2015, ISBN 978-3-8379-2493-0, S. 11 (antidiskriminierungsstelle.de [PDF; abgerufen am 1. Mai 2023]).
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